Ernst Moritz Geyger (1915–1918) | Katharina Szelinsky-Singer (1970) | Anna Bogouchewskaia (2001)
Der Geyger-Brunnen bildet das Zentrum des denkmalgeschützten Von-der-Schulenburg-Parks und ist ein bedeutendes Beispiel symbolistischer Brunnenarchitektur. Die ursprüngliche Brunnenskulptur „Deutscher Wald – Symbol des Waldesdomes“ wurde zwischen 1915 und 1918 von dem Berliner Bildhauer Ernst Moritz Geyger entworfen. Die Stadt Rixdorf (ab 1912 Neukölln) wollte ihrem international bekannten Sohn damit ein Denkmal setzen.
Der Brunnen besitzt ein großes Becken, in das eine hohe, baldachinartige Architektur über einem Sockel eingestellt ist. Die Pfeiler- oder Säulenarchitektur stellt in symbolistisch stilisierter Form bewachsene und von Vögeln, Fröschen und Eidechsen bevölkerte Baumstämme dar. Die geschweiften Wandfelder zwischen den Pfeilern zeigen figürliche Reliefszenen: Reihervögel mit ihren Beutetieren, Adler und Eule als Symbole für Tag und Nacht sowie Darstellungen von Mond, Sternen und Sonne.
Obwohl das lebensgroße Gipsmodell bereits 1918 fertig war, verzögerte sich die Aufstellung um 17 Jahre. Als Ende November 1918 Spartakisten im Rathaus Neukölln regierten und eine Republik Neukölln proklamierten, war an eine Aufstellung nicht mehr zu denken. Das Modell und die in Muschelkalk ausgeführten Formteile kamen zunächst in ein Straßenreinigungsdepot. Erst 1934 entschloss sich die Stadtverwaltung zur Aufstellung im Schulenburgpark. Die Einweihung erfolgte am 11. August 1935.
Kriegszerstörung und erste Wiederherstellung
Die ursprüngliche Ausstattung umfasste zwei Bronzeskulpturen ,16 wasserspendende Bronzeputten sowieeine kelchförmige Brunnenschale, diewährend des Zweiten Weltkriegs eingeschmolzen wurden. Der Brunnen selbst wurde durch Bomben weitgehend zerstört.
In den 1950er Jahren erfolgte eine erste Wiederherstellung. 1970 schuf Katharina Szelinsky-Singer anstelle der ursprünglichen Bronzehirsche zwei Figurengruppen aus Kalkstein: „Brüderlein und Schwesterlein“ und „Aschenbrödel“. Der Brunnen erhielt daraufhin von der Bevölkerung den Namen „Märchenbrunnen“.
Sanierung 2000/2001
Im Rahmen der Sanierung 2000/2001 entstanden 16 neue Brunnenfiguren in Bronze von Anna Bogouchewskaja. In Anlehnung an die ursprünglichen Putten und die im Volksmund gebräuchliche Bezeichnung „Märchenbrunnen“ schuf die Bildhauerin menschliche Figuren, die witzige, ironische oder märchenhafte Szenen darstellen. Vier Figurentypen wurden jeweils viermal in Bronze gegossen undzeichnen sich durch teilweise vergoldete oder heller patinierte Attribute aus – Ananas, Huhn, Fisch, Kanne, Krone – ohne historisierend zu wirken.