- 07.06.26
- 12:00 bis 18:00 Uhr
- Wildmeisterdamm zwischen Lipschitzallee und Hugo-Heimann-Schule
- Veranstaltung · Rückschau
- Gropius' Kulturinseln
BODEN
Kunstparcours auf dem Wildmeisterdamm
Im Rahmen von „Gropius' Kulturinseln“ lädt der Kunstparcours am Wildmeisterdamm am Sonntag, den 7. Juni 2026 dazu ein, den Weg zwischen Lipschitzallee und Hugo-Heimann-Schule durch fünf ortsspezifische künstlerische Stationen neu zu entdecken.
Der Weg verläuft quer durch die Gropiusstadt und verbindet unterschiedliche Quartiere mit dem angrenzenden Landschafts- und Vogelschutzgebiet. Lange bevor hier Hochhäuser gebaut wurden, grenzte er an Felder und ein königliches Jagdrevier. Im Boden rund um den Weg liegen Wurzeln alter Bäume, Pflastersteine aus der Zeit der Chaussee, nicht umgesetzte städtebauliche Pläne und der verschollene Grundstein der Gropiusstadt. Über allem schwebt das Ideal der Nachkriegsmoderne von Licht, Frischluft und Sonne. Der Weg ist ein Ort des Übergangs – zwischen Stadt und Natur, zwischen Alltag und geschütztem Naturraum.
Die Künstlerinnen Jana Maria Dohmann, Valentina Karga, Toshihiko Mitsuya, Silvia Noronha, Fruzsina Pusztai, Katja Marie Voigt und Elisa Dierson befragen den Weg und seine Geschichte auf unterschiedliche Weise. Was wurde damals in den Boden gelegt? Was hat unterirdisch überdauert und was legen wir heute für die Zukunft hinein?
Hier könnt ihr unserer Parcours Karte downloaden: Karte Boden Parcours
Erschlendert, errollt oder errennt den Parcours und entdeckt in den Buchten entlang des Wegs Kunstwerke und Parcours-Übungen.
Jana Maria Dohmann und Fruzsina Pusztai: Boden-Probe(n) – Playing in the Dirt!
In Zusammenarbeit mit Kindergruppen aus der Gropiusstadt haben die Künstlerinnen Jana Maria Dohmann und Fruzsina Pusztai abgelagerten Boden erforscht und untersucht, was er uns über diesen Ort erzählt. Durch Sammeln, Sieben und Umschichten entstehen in Bodenkästen Geschichten über das, was sich unter der Erdoberfläche begegnet – Spuren von Begegnungen, Koexistenzen oder Konflikten. Für den Parcours setzt sich das rollende Bauarchiv in Bewegung über den Wildmeisterdamm. In den Bodenkästen können sedimentierte Spielformen entpackt, aufgeschüttet, verformt oder umgeformt werden. Im kollektiven Bauen werden neue Spuren durch die Gropiusstadt gelegt.
Valentina Karga: Head Rest
Head Rest lädt die Besucher:innen in das Summen eines lebendigen Bienenstocks ein. Das Liegen auf Bienenstöcken wird seit langem als Therapie gegen Angst genutzt. In dieser Installation wird der Klang nicht primär gehört, sondern gefühlt – er überträgt sich durch die Knochen des Schädels direkt auf das Nervensystem und unterstützt einen Zustand der Ruhe. Die beiden Körper, Mensch und Kunstwerk, leiten die Vibration in die Erde weiter und machen sie so zum Teil eines größeren Systems. Denn das Schicksal von Bienen und Menschen ist untrennbar: wir sterben, wenn sie sterben; wir heilen, wenn der Stock lebt und summt.
Toshihiko Mitsuya: The Aluminum Garden
Der japanische Künstler Toshihiko Mitsuya schneidet und faltet Aluminiumfolie von Hand zu ganzen Aluminiumgärten. Die reflektierenden Oberflächen fangen Licht ein und streuen es, sodass die Skulpturen zwischen Realität und Illusion schweben. Die Arbeiten handeln vom Nebeneinander von Zivilisation und Ökologie, von menschlicher Geste und natürlichem Prozess.
Silvia Noronha: Shifting Geologies
Die brasilianische Künstlerin Silvia Noronha entwickelt in ihrer künstlerischen Arbeit eine spekulative Geologie: Sie simuliert
geologische Prozesse im Labor mit Druck, Hitze und Chemie. Ihre Skulpturen verbinden menschengemachte Stoffe wie Plastik, Zement und Elektroschrott mit natürlichen Materialien wie Sand, Erde und Muscheln. So entstehen künstliche Steine, die Vergangenheit und Zukunft in sich tragen.
Katja Marie Voigt und Elisa Dierson: Depot / 52.425678, 13.460060 – Unterirdisches Depot (für einen Garten)
Neben dem Rosengarten wird der Boden von Hand geöffnet und der Aushub auf Funde und Materialreste untersucht. Ein keramisches Gefäß – eine Olla – wird in die Erde eingelassen. Es trägt Abdrücke einer Schnecke, einer Schwalbe und das Muster einer verschwundenen Fassade. Die Olla dient der unterirdischen Bewässerung und bleibt als verborgener Speicher im Boden – als Ausgangspunkt für einen Garten, der noch nicht sichtbar ist. Keramische Münzen werden in der Gropiusstadt in Umlauf gebracht. Ein Teil bleibt bei den Besucher:innen, der andere wird am Ende des Tages im Depot mit der Olla vergraben. In Zusammenarbeit mit Anand Angarag (Keramik), Fruzsina Pusztai (Westen für die Grabung) und mit dem Gemeinschaftsgarten.
Künstlerische Leitung: Kunst Werk Stadt Berlin, Elisa Dierson und Katja Marie Voigt in Zusammenarbeit mit der Projektleitung Nina Marlene Kraus
Hinweis zur Barrierefreiheit: Der Weg ist befestigt, manche Kunstwerke befinden sich auf Rasenflächen.
- Elisa Dierson
- Jana Maria Dohmann
- Valentina Karga
- Toshihiko Mitsuya
- Silvia Noronha
- Fruzsina Pusztai
- Katja Marie Voigt